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Verborgen im Fels. Der Berg, das Salz & die Kunst Graphic Novel by Simon Schwartz

Graphic Novels erzählen Geschichte(n)

Erzählungen in Bildern bieten seit jeher einen einzigartigen Zugang zu unserer Geschichte. Der deutsche Comic-Künstler Simon Schwartz ist ein Meister darin und macht Zeitgeschichte hautnah erlebbar. Im Auftrag der Salzwelten GmbH und der Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024 hat er die wechselvolle Geschichte des Salzbergwerks Altaussee von der Steinzeit bis in die NS-Zeit in eine Graphic Novel gepackt. Diese ist ab 22. März 2024 in einer frei zugänglichen Ausstellung im Steinberghaus zu sehen. Und natürlich gibt es die Graphic Novel auch in Buchform.

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Veröffentlichung: März 2024 

40 Seiten, Hardcover

21 x 29,5 cm, vierfarbig

Das Buch ist ab März im Onlineshop verfügbar.

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Simon Schwartz: Comic-Künstler, Autor und Zeichner

Simon Schwartz ist einer der bekanntesten deutschen Comiczeichner. Sein Debüt gab er 2009 mit „drüben!“, der Graphic Novel über die Ausreise seiner Eltern aus der DDR. Sein Buch „Packeis“ wurde 2012 mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet. Für die Stasi-Gedenkstätte in Erfurt gestaltete er einen 7 x 40 Meter großen Fries. In den Jahren 2017 und 2019 präsentierte er Einzelausstellungen im Deutschen Bundestag. Außerdem veröffentlicht der vielfach prämierte Künstler seine Comics und Illustrationen u.a. in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und in „Die Zeit“.


Gespräch mit Simon Schwartz

Salzwelten: In Ihrer Arbeit für die Salzwelten GmbH und die Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024 geht es um die Geschichte des Salzabbaus in Altaussee und um das dunkle Kapitel der NS-Raubkunst, die zum Schutz vor Bombenangriffen in den Stollen versteckt wurde und beinahe von den Nazis zerstört worden wäre. Was sagen Sie Skeptikern, die meinen, dass man ein derart schwieriges historisches Thema nicht in einem Comic vermitteln kann?

Schwartz: Der Begriff Comic ist natürlich nicht ganz glücklich, da ihm das vermeintlich Komische innewohnt. Da denkt man natürlich an Kindliches, Lustiges, Fiktionales. Meine Arbeiten sind Graphic Novels. Also längere, abgeschlossene, faktenbasierte Erzählungen, die durchaus auch einmal zwei-, dreihundert Seiten haben können. Und die sich an ein erwachseneres Publikum richten. Die zunehmende Bedeutung von Graphic Novels zeigt sich zum Beispiel darin, dass mit „Rude Girl“ von Birgit Weyhe zum allerersten Mal ein „Comic“ für den Preis der Leipziger Buchmesse 2023 in der Kategorie Sachbuch nominiert war. Hier hat sich in den letzten 15 bis 20 Jahren viel verändert. Graphic Novels sind Literatur mit der Fähigkeit, durch die Kombination von Text und Bild unglaublich direkt zu erzählen. Übrigens: Graphic Novel ist das einzige Segment im Buchmarkt, das nach wie vor wächst! Und um Ihre Frage zu beantworten: Ja, gerade Geschichte kann in Graphic Novels perfekt erzählt werden!

 

Salzwelten: Wie gehen Sie die Sache an, wenn Sie an einer Geschichte wie „Verborgen im Fels“ arbeiten?

Schwartz: Grundsätzlich recherchiere ich für alle meine Arbeiten sehr genau. Denn wenn ich – wie in den meisten Fällen – zu historischen Themen arbeite, ist es mir besonders wichtig, dass alle Daten und Fakten absolut korrekt sind. In „Verborgen im Fels“ basiert alles Historische auf Fakten. Nicht nur in Inhalt und Text, sondern auch im Bild. Ich suche, wie in diesem Fall, also auch nach historischen Fotografien. Da waren mir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Salzwelten und deren Archiv, aber natürlich auch das Buch „Weltkunstschätze in Gefahr“ des damaligen Salinen-Generaldirektors Emmerich Pöchmüller, eine sehr große Hilfe. Allerdings muss man bei einem derartigen Zeitzeugen immer daran denken, dass er „ein Kind seiner Zeit“ war und das, was er geschrieben hat, mit Vorsicht zu genießen ist. Wenn er zum Beispiel über Raubkunst spricht, die eingelagert wird, schreibt er von „Kunst aus dem Ausland“. Ich habe die Aussagen Pöchmüllers immer mit anderen Quellen abgestimmt. Das waren in Summe wichtige Quellen bei meiner Recherche.

 

Salzwelten: Waren Sie auch vor Ort, in Altaussee?

Schwartz: Natürlich war ich auch selbst in Altaussee und habe mir den Berg, das Bergwerk und die Stollen, in denen die von den Nazis geraubten Kunstgüter gelagert wurden, angesehen. Habe versucht, ein Gefühl für den Ort zu bekommen. Das ist ja eine ganz eigene Stimmung. Eine eigene Luft. Nur so kann man Leserinnen und Leser dazu bringen, in die Geschichte einzutauchen und dabei historisch akkurat sein.

 

Salzwelten: Die Geschichte der Kunstgüter-Rettung wurde ja im Hollywood-Streifen „Monuments Men“ verfilmt – haben Sie den Film gesehen? Und wenn ja, wie hat er Ihnen gefallen?

Schwartz: Ich hab mir den Film tatsächlich vor Jahren angeschaut. Aber wie man weiß, kommt der aus Hollywood, aus der Traumfabrik, und ist – ganz im Gegensatz zu meiner Graphic Novel – historisch nicht akkurat und war daher für mein Projekt nicht relevant.

 

Salzwelten: Nicht ganz „historisch“ dürfte wohl der Wassermann sein, der in Ihrer Graphic Novel vorkommt …

Schwartz: (schmunzelt) Jaaa … Mit der Figur des sagenhaften Wassermanns habe ich eine poetisch-fiktionale, erzählerische Klammer geschaffen, die dabei hilft, tausende Jahre Geschichte auf ein paar Seiten zu bringen.

 

Salzwelten: Wie lange waren Sie mit den Recherchearbeiten beschäftig? Und: Wie ist es dann weitergegangen?

Schwartz: Insgesamt war ich in diesem Fall rund vier Monate mit den Recherchearbeiten beschäftigt. Denn bei so einer Geschichte, die vom Mittelalter bis ins Heute reicht, braucht die Recherche natürlich ein bisschen Zeit … Und danach: Habe ich mit ersten Texten und Zeichnungen begonnen.

 

Salzwelten: Wenn man Ihre Arbeiten anschaut, sieht man, dass diese ja ganz unterschiedliche Stile haben. Wie kommen Sie dazu, für eine Geschichte wie der NS-Raubkunst, einen Stil für Text und Bild und eine Farbwelt zu finden bzw. zu entwickeln?

Schwartz: Zuallererst versuche ich, den Text immer möglichst sachlich und nüchtern – und wie bereits erwähnt – faktisch akkurat zu halten. Das gilt natürlich zu einem gewissen Grad auch für die Bilder. Aber mit Bilder kann man auch eine emotionalere Stimmung erzeugen, die manchmal auch im Kontrast zum eher nüchternen Text steht. Was die Farbstimmung bei dieser Arbeit betrifft, war für mich von Anfang an klar, dass es eher monochrome Farben sein müssen und nicht total bunt, weil „Verborgen im Fels“ ja eigentlich für einen Raum konzipiert ist. Zu viel Farbe würde die Besucherinnen und Besucher „erschlagen“.

 

Salzwelten: Wie kann man sich die Ausstellung vorstellen?

Schwartz: Also, genau genommen handelt sich im Steinberghaus in Altaussee um zwei Ausstellungsräume. Der erste Raum erzählt die Jahrtausende lange Geschichte des Salzabbaus. Und der zweite Raum widmet sich der Kunstgüter-Geschichte. Die Seiten der Graphic Novel wurden auf große Tafeln gedruckt und in den Räumen aufgehängt. Die Besucherinnen und Besucher können auf Bänken Platz nehmen und die Texte in Ruhe lesen – und natürlich die Bilder betrachten. Man soll verweilen und in die Geschichte eintauchen. So, als ob man ein Buch lesen würde …

 

Salzwelten: Gutes Stichwort: Es wird die Graphic Novel ja auch als Buch geben …

Schwartz: Ja, „Verbrogen im Fels“ gibt´s auch in Buchform.

 

Salzwelten: Herr Schwartz, vielen Dank für das spannende Gespräch! Und natürlich für die erste Graphic Novel über das Salzkammergut!


Die bewegte Geschichte des Salzbergwerks Altaussee

Das Salzbergwerk Altaussee blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück: Seit dem Jahr 1147 wird hier Salz abgebaut. Das „weiße Gold“ bildet seit Jahrhunderten eine wichtige Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bergwerk allerdings zweckentfremdet: Von 1943 bis 1945 versteckten die Nazis in den Stollen wertvolle Raubkunst. Tausende Gemälde, Statuen und andere Kunstgegenstände, die für eine Ausstellung im „Führermuseum“ in Linz vorgesehen waren, wurden im Salzbergwerk eingelagert. Die Niederlage vor Augen beschlossen die Nazis im Mai 1945 alle Kunstgüter zu vernichten. Zum Glück gab es ein paar mutige Altausseer Männer, die die Kunstschätze retteten … Die ganze Story vom Mittelalter bis zu den „Monuments Men“ könnt ihr hier nachlesen.

Ausstellungseröffnung:


Freitag, 22.03.2024, 17:00 Uhr im Steinberghaus in den Salzwelten Altaussee, Lichtersberg 25, 8992 Altaussee

Kombiticket um € 35,-

inklusive

  • Eintritt in die Salzwelten Altaussee
  • mit Graphic-Novel-Ausstellung „Verborgen im Fels. Der Berg, das Salz & die Kunst“ im Steinberghaus
  • Eintritt in die Ausstellung „Wolfgang Gurlitt. Kunsthändler und Profiteur in Bad Aussee“ im Kammerhofmuseum in Bad Aussee: In dieser Ausstellung werden Leben und Wirken des Berliner Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt und seiner jüdischen Geschäftspartnerin Lilly Christiansen, die ab 1940 in Bad Aussee lebten, behandelt. 
  • Eintritt in die Ausstellung „Das Leben der Dinge“ im Alten Marktrichterhaus in Lauffen: Anhand von Werken und Installationen zeitgenössischer Künstler*innen wird in Lauffen das Thema des systematischen Kunstraubs behandelt, der seit der Antike ein bekanntes Phänomen und ein Mittel zur Legitimation kultureller Dominanz darstellt.
  • Eintritt in die Ausstellung Die Reise der Bilder“ im Lentos Linz: Die Ausstellung präsentiert mehr als 70 Kunstwerke, die im Zweiten Weltkrieg im Salzkammergut gesammelt, gelagert, geraubt, zwangsverkauft, verschoben, gebogen und gerettet wurden. Meisterwerke von Goya, Edvard Munch, Lovis Corinth, Giovanni Battista Tiepolo, Tizian, Anthonis van Dyck, Moritz von Schwind, Ferdinand Georg Waldmüller u. v. m. erzählen ihre Geschichte von Rei­sen und Irrfahrten mit vielen Stationen und Lagerorten.

Noch mehr gesalzene Kunst erleben!
 

Die Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 holt die Vielfalt aus historisch verwurzelter und zeitgenössischer Kunst und Kultur vor den Vorhang.

Salzwelten Destination Guide & Audio Guide

Hier können Sie sich Ihren Audioguide für die Salzwelten herunterladen. Es sind die Standorte Hallein, Hallstatt und Altaussee auf dieser App zusammengefasst.