Die Geschichte der Salzwelten Altaussee

Kunstlager im "Berg der Schätze"

Während des zweiten Weltkrieges wurden in diesen Stollen Kunstwerke von unschätzbarem Wert gelagert, darunter Werke von Michelangelo, Dürer, Rubens und Vermeer. Eine preisgekrönte Multimediashow dokumentiert beeindruckend den Mut und Einsatz der Bergleute bei der Rettung dieser Schätze im April 1945.

Besuchen Sie den Originalschauplatz des Filmes "Monuments men" von George Clooney! Im Sommer werden Sonderführungen zu diesem spannenden Thema angeboten: "Bomben auf Michelangelo"

Seine besten Männer schickt Hollywood in diesem Frühjahr auf die Jagd nach Hitlers Raubkunst. George Clooney, Matt Damon und Bill Murray sind als Monuments Men  im Frühjahr 1945 in Hitlers zerfallendem Dritten Reich unterwegs. Die Mission dieser Truppe aus Kunstexperten ist die Suche nach all den Kunstwerken, die die Nazis aus ganz Europa zusammengetragen und jetzt, zum Schutz vor alliierten Bombenangriffen, unter die Erde gebracht haben.

In Bergwerken hat man, während deutsche Städte in Flammen aufgehen, diese Sammlungen untergebracht. Und jenes Bergwerk, in das der größte Schatz eingebracht wurde, war in Altaussee, im steirischen Salzkammergut. Hier, im Sandling, hoch über dem Altausseer See, wo seit Jahrhunderten Salz abgebaut wird, findet in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs Hitlers Traum sein dramatisches Ende. Seine persönliche Sammlung, sein Führermuseum, das eines Tages – er sollte nie kommen - in Linz entstehen sollte, rollt jetzt in diese Stollen ein.

Gemälde von Rubens und Rembrandt, eine Madonna von Michelangelo, der Genter Altar der Brüder van Eyck und vielleicht sogar die Mona Lisa: Heute folgen Sie in den Salzwelten Altaussee dem originalen Weg, auf dem diese Meisterwerke europäischer Kunst vor siebzig Jahren in den Berg gelangten. Entdecken Sie die Stollen, in denen die Regale für das Führermuseum noch heute so stehen wie sie einst von den Bergleuten gezimmert wurden – und erfahren Sie, warum all das nur um Haaresbreite vor der endgültigen Vernichtung bewahrt werden konnte.

August Eigruber, Hitlers Gauleiter im Salzkammergut, war ein fanatischer Nazi, einer von jenen Männern, die das Dritte Reich groß gemacht hatten. Und darum gab es für ihn in diesem Frühjahr 1945 nur einen Weg, den in den Untergang. Der Diktator, längst in der Endphase seines Wahns angelangt, hatte aus dem Führerbunker in Berlin einen Befehl erteilt. Wenn das Dritte Reich zugrunde gehen sollte, dann sollte das deutsche Volk und alles, was es geschaffen hatte, mit ihm zerstört werden: Fabriken, Straßen, Brücken und natürlich auch die Kunst, die man für eine Zukunft, die es jetzt nicht mehr geben sollte, zusammengetragen hatte, also auch das Führermuseum im Stollen von Altaussee.

Wenig später sollte Hitler diesen Befehl widerrufen. Doch war das wirklich der Wille seines Führers? Eigruber glaubte nicht daran. Er wollte den Weg, den er für sich und seinen Landstrich gewählt hatte, bis zum Ende gehen. Nichts von diesen Kunstwerken, hatte er geschworen, sollte den Feinden in die Hände fallen. Acht US-Fliegerbomben, die über Linz abgeworfen, aber nicht explodiert waren, ließ er in die Stollen von Altaussee schaffen. „Vorsicht Marmor, nicht stürzen“ hatte er zur Tarnung auf die Bombenkisten schreiben lassen. Doch die Bergleute hatten längst Verdacht geschöpft.

Ein Wettlauf gegen die Zeit begann in diesen letzten Kriegstagen in Altaussee. Verzweifelt versuchte die Führung des Bergwerks, den Gauleiter von seinem Plan abzubringen, plante Gegenmaßnahmen: Zusprengen der Eingänge zum Bergwerk, um so dem SS-Sprengkommando, das schon ins Salzkammergut unterwegs war, den Zugang zu den Bomben zu versperren. Zugleich versuchten die Kunstexperten, die im Bergwerk für all die Meisterwerke verantwortlich waren, zumindest ein paar der kostbarsten Stücke zu retten, schleppten sie in tiefere Stollen, zerrten sie sogar aus dem Berg, um sie anderswo unterzubringen. So landeten Gemälde in Hinterzimmern von örtlichen Gasthöfen. Wenn sie heute durch die langen Gänge der Salzwelten Altaussee wandern, können Sie einen Blick in die dunklen Tiefen werfen, in die die Kunstexperten die Gemälde schleppten.

Doch der entscheidende Schritt zur Rettung gelang zuletzt zwei Bergleuten, die schließlich beschlossen, auf eigene Faust zu handeln: Alois Raudaschl und Hermann König hatten in einer der ersten Mainächte die Bombenkisten geöffnet, und sich so Gewissheit verschafft: Die Zerstörung war nur noch eine Frage von Tagen, vielleicht sogar Stunden. Und es war Raudaschl, der die rettende Idee hatte. Über eine persönliche Freundin verschaffte er sich Zugang zum vielleicht einzigen Mann der den Gauleiter noch stoppen konnte, ein skrupelloser Massenmörder, der im zerfallenden Dritten Reich in Altaussee Zuflucht gefunden hatte: Ernst Kaltenbrunner. Heute noch steht in Altaussee die Villa, in der der Gestapo-Chef mit seiner Freundin residierte, und an deren Tür Raudaschl in dieser Mainacht klopfte. 

Der Coup gelang, jetzt konnten die Bergleute die Bomben aus dem Stollen holen, konnten diese schließlich zugesprengt werden, so wie es die Bergwerksführung geplant hatte. Letzte Wutausbrüche des Gauleiters liefen ins Leere. Die Kunst wurde vor der Zerstörung bewahrt und natürlich auch die Stollen, durch die Sie heute in die Tiefe des Sandling-Berges gelangen, in jene riesigen unterirdischen Hallen, in denen Hitlers Museum einst lagerte.

Eine preisgekrönte Multimediaschau lässt heute in der wichtigsten dieser Hallen, inmitten der originalen Regale und Kisten diese Geschichte noch einmal lebendig werden. Es ist jene Geschichte, die ihnen Hollywoods „Monuments Men“ im Kino verschweigen werden. Denn als es ihre Vorbilder, also die originale Kunstschützer-Truppe der Amerikaner, schließlich nach Altaussee geschafft hatten, war die Kunst im Berg schon gerettet, von jenen Männern, deren abenteuerliche Geschichte sie heute während der ca. 90 minütigen Führung durch die Salzwelten Altaussee erfahren können: Am Ort des Geschehens, so wie die Geschichte sie wirklich schrieb – und die ist diesmal weit spannender als Hollywoods Monumental-Abenteuer.

Weiterführende Informationen und Hintergrundwissen liefert das 2013 erschienene Buch „Mission Michelangelo“ von Konrad Kramar.

Historische Eckdaten des Salzbergbaues in Altaussee

1147

Erste urkundliche Erwähnung des Salzabbaus in Altaussee. Der Bergbau- und Pfannenbetrieb ist in Händen des Stiftes Rein bei Graz.

1211

Verstaatlichung: Ablöse der Bergbau- und Siederechte durch den Babenberger Herzog Leopold VI. und Übersiedlung der Sudpfannen vom Augstbach nach Unterlupitsch.

um 1285

Erneute Übersiedlung des Pfannenbetriebes ins heutige Bad Aussee.

1319

Anschlag des Steinbergstollens

1334

Erneuerung und Vergrößerung der Pfannen in Bad Aussee auf eine Jahres-Produktionsmenge von rund 10.000 Tonnen.

1334 – 1449

Blütezeit des mittelalterlichen Ausseer Salzwesens unter der Führung der privaten Hallinger-Gewerkschaft

1449

Wiederverstaatlichung durch Kaiser Friedrich III.

um 1550

Etwa 120 Arbeiter sind im Bergbau beschäftigt.

17. – 19. Jh. 

Die jährliche Salzproduktion verbleibt bei rund 10.000 Tonnen.

1906

Inbetriebnahme der neuen Soleleitung durch das Rettenbachtal nach Bad Ischl zur Versorgung der Ebenseer Solvay-Werke. Vervierfachung der Produktionsmenge in den Folgejahren samt historischem Höchststand von 238 Beschäftigten.

1943 – 45

Einlagerung von Kunstschätzen zum Schutz vor den Kriegsereignissen.

1949

Anschlag des Erbstollens

ab 1971

313 Beschäftigte arbeiten im Bergbaubetrieb.

1965

Umstellung der Solegewinnung auf das Bohrlochsondenverfahren

2008

61 Beschäftigte produzieren eine Jahressolemenge von  1.506.000 m³  mit einem Salzinhalt von 450.000 Tonnen.

Lassen Sie uns die Geschichte vom Salz und vieles mehr erzählen und sehen Sie selbst die faszinierende Welt Untertags in den Salzwelten Altaussee

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