Von Bomben, Helden und Schätzen die Geschichte des Salzbergwerkes Altaussee

Eine filmreife Geschichte: Bei einer Führung durch die Salzwelten Altaussee erfahren Sie, warum in den Stollen des Salzbergwerkes Kunstschätze von unermesslichem Wert lagerten, wie zwei Ausseer Bergmänner dem Naziregime trotzten und weshalb sogar Hollywood-Größen im Salzbergwerk Altaussee zu Gast waren.

Die Salzwelten Altaussee im Ausseerland haben eine lange und bewegte Historie. Begonnen hat alles bereits im Hochmittelalter, Mitte des 12. Jahrhunderts. 1147 wurde der Salzabbau in Altaussee erstmals urkundlich erwähnt. Zwischen 1334 und 1449 erlebt das mittelalterliche Ausseer Salzwesen unter der Führung der privaten Hallinger-Gewerkschaft eine Blütezeit, bevor es 1449 unter Kaiser Friedrich III. verstaatlicht wurde. Wir machen einen Sprung in das 20. Jahrhundert. Ab 1906 vervierfachte sich die Produktionsmenge, die vorher bei rund 10.000 Tonnen Salz pro Jahr lag. Es gab einen Höchststand an Beschäftigten von stolzen 238 Personen. Wir machen wieder einen Zeitsprung, und zwar in die dunkle Zeit des Zweiten Weltkriegs. Denn während der letzten beiden Kriegsjahre – zwischen 1943 und 1945 – wurde im Salzbergwerk Altaussee Geschichte geschrieben.

    

Meisterwerke der Kunst: das Lager im „Berg der Schätze“

Eine Madonna von Michelangelo, Gemälde von Rubens und Rembrandt, der Genter Altar der Brüder van Eyck, Werke von Dürer und Vermeer – Kunst von unschätzbarem Wert wäre während der letzten Kriegswochen 1945 um Haaresbreite in Flammen aufgegangen. Als das Deutsche Reich zu zerfallen begann und aus Städten Trümmerlandschaften wurden, begann man, die Schätze, die die Nationalsozialisten aus ganz Europa zusammengetragen und gestohlen hatten, unter der Erde zu verstecken. In den Bergwerken sollten sie vor den Bombenangriffen der Alliierten sicher sein. Doch sie waren keineswegs sicher vom Wahnsinn des Führers. Denn der Diktator hatte im Frühjahr 1945 von Berlin aus den Auftrag gegeben, dass im Falle einer Niederlage alles, was das deutsche Volk geschaffen hatte – Fabriken, Straßen, Brücken, Kunstwerke – mit ihm zerstört werden sollten. Dieser Befehl schloss die Kunstwerke, die im Stollen von Altaussee lagerten und ursprünglich für ein „Führermuseum“ in Linz gedacht waren, mit ein. Wenig später sollte Hitler diesen Befehl widerrufen. Doch der Gauleiter im Salzkammergut, August Eidgruber, war ein fanatischer Nazi. Er setzte alles daran, der ursprünglichen Anweisung Folge zu leisten. Und die Kunstschätze im Salzbergwerk Altaussee zu zerstören.

„Bomben auf Michelangelo": als Bergleute zu Helden wurden

Also ließ er acht US-Fliegerbomben, die über Linz abgeworfen wurden, aber nicht explodiert waren, in die Stollen von Altaussee schaffen. „Vorsicht Marmor, nicht stürzen“ hatte er zur Tarnung auf die Bombenkisten schreiben lassen. Doch die Bergleute schöpften Verdacht. Und ein Wettlauf mit der Zeit begann. Wie es zwei beherzten Bergmännern gelang, die wertvollen Kunstschätze vor der Zerstörung zu retten, was dazu nötig war und warum berühmte Kunstwerke später in Hinterzimmern von Gasthöfen wieder auftauchten – all das erfahren Sie in „Bomben auf Michelangelo“. Eine preisgekrönte Multimediaschau zeichnet die letzten Kriegstage und die spektakuläre Kunstgüterbergung in beeindruckenden Bildern nach.
Und wenn Sie auf Ihrem Weg durch die Salzwelten Altaussee den Geschichten Ihres Bergwerk-Guides lauschen, dann werfen Sie hin und wieder einen Blick in die Tiefen des Sandling-Berges. Und versuchen Sie sich vorzustellen, wie damals – vor noch nicht allzu langer Zeit – in den riesigen unterirdischen Salzhallen die Schätze lagerten, die für ein Kunstmuseum des Diktators bestimmt waren, das nie gebaut wurde.
Übrigens: Die Regale für das Führermuseum, die Sie während Ihres Besuchs unter Tage sehen, sind die originalen Stücke aus den 1940-er Jahren. Sie stehen heute noch so, wie sie die Bergleute einst gezimmert hatten.

Hollywood in Altaussee: „Monuments Men"

Sie merken schon: Die Kunstgüterbergung liefert wirklich genug Stoff für eine hollywoodreife Geschichte. Deshalb spielt sie auch in der Hollywood-Produktion „Monuments Men“ von und mit George Clooney eine wichtige Rolle. In diesem Film werden unter anderem George Clooney selbst, Matt Damon und Bill Murray ausgeschickt, um die Kunstwerke vor den Nazis zu retten. Während Ihrer Führung durch die Salzwelten Altaussee besichtigen Sie den Originalschauplatz des Hollywoodfilms. Bis bald in den Salzwelten Altaussee – wir freuen uns auf Sie!

Weitere Informationen

Sie möchten mehr über die Kunstgüterbergung im Salzbergwerk Altaussee erfahren? Weiterführende Informationen und Hintergrundwissen liefert das 2013 erschienene Buch „Mission Michelangelo“ von Konrad Kramar.
Kennen Sie schon unser Online-Ticket? Sie profitieren unter anderem von einem garantierten Einlass zu der von Ihnen gewählten Zeit. Und haben keine Wartezeiten vor Ort. Klingt gut? Das ist es auch. Hier können Sie schnell und einfach Ihr Online-Ticket für die Salzwelten bestellen.

Im Überblick: die historischen Eckdaten des Salzbergbaues in Altaussee

1147Erste urkundliche Erwähnung des Salzabbaus in Altaussee. Der Bergbau- und Pfannenbetrieb ist in Händen des Stiftes Rein bei Graz.
1211Verstaatlichung: Ablöse der Bergbau- und Siederechte durch den Babenberger Herzog Leopold VI. und Übersiedlung der Sudpfannen vom Augstbach nach Unterlupitsch..
um 1285Erneute Übersiedlung des Pfannenbetriebes ins heutige Bad Aussee.
1319Anschlag des Steinbergstollens
1334Erneuerung und Vergrößerung der Pfannen in Bad Aussee auf eine Jahres-Produktionsmenge von rund 10.000 Tonnen.
1334 - 1449Blütezeit des mitteralterlichen Ausseer Salzwesens unter der Führung der privaten Hallinger-Gewerkschaft
1449Wiederverstaatlichung durch Kaiser Friedrich III.
um 1550Etwa 120 Arbeiter sind im Bergbau beschäftigt.
17. – 19. Jh.Die jährliche Salzproduktion verbleibt bei rund 10.000 Tonnen.
1906Inbetriebnahme der neuen Soleleitung durch das Rettenbachtal nach Bad Ischl zur Versorgung der Ebenseer Solvay-Werke. Vervierfachung der Produktionsmenge in den Folgejahren samt historischem Höchststand von 238 Beschäftigten.
1943 – 1945Einlagerung von Kunstschätzen zum Schutz vor den Kriegsereignissen.
1949Anschlag des Erbstollens
ab 1971313 Beschäftigte arbeiten im Bergbaubetrieb.
1965Umstellung der Solegewinnung auf das Bohrlochsondenverfahren
200861 Beschäftigte produzieren eine Jahressolemenge von  1.506.000 m³  mit einem Salzinhalt von 450.000 Tonnen.